Die Teenagerin möchte Pferdewirtin werden. Ganz bestimmt und immer noch. Es laufen Bewerbungen, es kommen Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und es kommen Einladungen zu einwöchigen Praktika, zwecks Probearbeit. Soweit wohl alles normal und gut.
Gestern dann fuhr ich mit der Teenagerin in den tiefen Osten unserer Republik. Sie sollte und wollte dort ein solches Praktikum auf einem Pferdehof absolvieren. Soweit so normal und auch gut…
Komisch fand ich schon im Vorfeld, dass hier kein Ausbildungsplatz geboten wurde sondern die Möglichkeit eines einjährigen Praktikums gegen Kost, Logie und eventuell ein Taschengeld. Aber jut, in der Not nimmt man alles und solange man keinen Ausbildungsvertrag hat ist ein festes Praktikum und somit Praxiserfahrung ja doch auch Gold wert. Komisch fand ich weiter, dass man allerdings für dieses Probepraktikum 5 Euro täglich für Kost und Logie forderte… aber jut. Die ham halt nichts zu verschenken, beruhigte mich der Gatte, an den 5 Euro soll es nun wirklich nicht scheitern. Soweit so gut – an dem normal kamen mir schon Zweifel.
Weitere Zweifel kamen mir während der Fahrt – zwischenzeitlich kam die Frage auf ob wir jetzt plötzlich allein auf dieser Erde wären, aber dann kam doch wieder ein Ort mit 3 Häusern und einer Ruine. Ich wollte dort nicht begraben sein, aber mein Kind sollte ich dort lassen
Nunjut, der Ort des eigentlichen Geschehens war dann schon fast eine Stadt. Eine sehr kleine Stadt, aber man erkannte menschliches Leben und zwar eindeutig. Soweit war ich also etwas beruhigt. Alles wieder normal und gut.
Wir fanden die besagte Adresse und ich wollte direkt wieder kehrt machen ohne auszusteigen. Ungepflegte Hinterhofatmosphäre. Dreckig, speckig, eng, deprimierend: Gräuslich und insgesamt alles andere als gut und normal.
Das Auto parkten wir nicht auf dem Hof, sondern etwas weiter weg und ich beratschlagte mich telefonischmit dem Gatten, dass wir nun doch erstmal reingehen sollten um das Ganze aus der Nähe zu betrachten. Tja… Verstand des Gatten, gegen Bauch der Mutter. Wir hätten auf den Bauch hören sollen.
So gingen wir als auch den Hof, der auch bei näherer Betrachtung nicht wirklich schön war – um es mal nett auszudrücken. Wir klopften, uns wurde geöffnet man bat uns in die dunkle, stinkige Stube und bot uns einen Platz am wacklig, alten Eßtisch an. Die Tochter wollte sich gerade setzen, ich stand noch im Raum und überlegte ob es sich überhaupt lohnt sich zu setzen, da kam dann die Frau Hofbesitzerin um die Ecke und hatte einen süßen Hund dabei.
Der Hund freute sich so sehr uns zu sehen, dass er sich direkt auf meine Jacke stürzte und sich dort festbiss. Erst auf mein energisches Bitten, man möge doch den Hund wegnehmen kam Frau Hofbesitzerin angeschossen und scheuchte den Hund von mir weg. Der stürzte sich dann freudig erregt auf die Teenagerin und biss ihr zunächst in die Hand und dann in den Oberschenkel. Mein Kind heulte – klar, die Hand blutete wie Sau, die Hose war im Eimer und der Schreck saß in den Gliedern. Putzigerweise hatte man direkt Wunddesinfektionsmittel griffbereit – offenbar braucht man das hier öfters?!?!!
Das ich mein Kind schnappte und erklärte wir würden nun wieder nach Hause fahren, das verstand man überhaupt nicht. NUR wegen dem Hund??? Man war fassungslos, denn immerhin hätte man doch versucht ihn zu halten, aber wenn der sich plötzlich losreisst, ja da könne man ja auch nichts machen. Meine Anmerkung, sie hätten ja offenbar nochnichtmal den Hund im Griff, wie soll denn das mit den Pferden erst gehen… die wurde als Frechheit gewertet. Mir auch egal. Ich schnappte mein blutendes Kind um ihr erstmal im Auto die Hand zu verbinden, das Bein sah nach dem ersten Blick durch die Hose noch nicht so dramatisch aus. Wir machten uns dann auf den Weg nach Hause, als die Tochter doch das Nörgeln anfing, weil das Bein doch ganz schön wehtut. Sie zog dann die Hose aus und ich zückte die Kamera. Mittlerweile ist die Stelle noch dicker und dunkellila gefärbt.
Zu Hause angekommen, fuhren wir dann direkt weiter ins örtliche Krankenhaus. Dort wurde die recht tiefe Wunde an der Hand mit NaCL gespült, beide Stellen wurden gereinigt und verbunden. Den Feierabend feierten wir mit reichhaltiger Kost vom großen gelben M vorm Fernseher.
Heute morgen dann auf zum Kinderarzt, der die Wunden kontrollierte, welche zum Glück keine Entzündungsanzeichen aufweisen. Dann wurde aber sicher-ist-sicher gegen Tollwut geimpft und wir machten uns auf den Weg zur Polizei. Auch nach einer Nacht des darüber schlafens war und bin ich immer noch so geladen, dass ich das nicht auf sich beruhen lassen möchte. Bei uns ist es noch glimpflich abgegangen, aber da wird Reitunterricht für Kinder gegeben, was wenn noch mehr passiert und irgendwie würd ich auch gerne die Hose ersetzt haben… Bei der Polizei wurde ich dann aber aufgeklärt, es handle sich nicht um eine straf- sondern eine zivilrechtliche Sache. Da wäre die Polizei nicht zuständig, ich müsse mich schon selbst an das zuständige Ordnungsamt und die hoffentliche bestehende Versicherung wenden, wenn ich Schadenersatz geltend machen möchte. Eine Ordnungswidrigkeit bestüde nur, wenn der Hund auf uns gehetzt worden wäre… Okeh…
Die Geschichte geht also noch weiter, ich bin ja jung, gesund und habe reichlich Kräftesreserven für so einen Quatsch… oder auch nicht




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